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Eine Reise über den Ozean ist für eine Blaskapelle keine alltägliche Angelegenheit. Doch als sich die Gelegenheit bot, beim 86. Moravian Day Festival zu spielen, das jährlich in Chicago von der Organisation United Moravian Societies veranstaltet wird, zögerten wir keinen Augenblick. Dieses berühmte Festival der Landsleute blickt auf eine über 85-jährige Tradition zurück – der erste Jahrgang fand bereits 1939 im Pilsen Park statt.

Gemeinsames Foto der Kapelle Ištvánci beim 86. Moravian Day Festival

Gemeinsames Foto der Kapelle Ištvánci beim Moravian Day Festival

Seitdem ist es zur größten Feier der tschechischen, mährischen und slowakischen Kultur in den USA geworden. Es findet alljährlich im Lithuanian World Center in Lemont statt und ist Teil des breiteren Programms der Czech Heritage Week. Das Festival feiert unsere Wurzeln – von der Blasmusik über Trachten bis hin zu heimischen Spezialitäten. Und ein Teil davon zu sein, bedeutete uns wirklich viel.

Ein Empfang wie zu Hause

Auf das Treffen mit den Landsleuten freuten wir uns vielleicht am meisten. Viele von ihnen kannten wir bereits aus Strážnice, wo sie im Juni 2025 am Internationalen Folklorefestival (MFF) teilnahmen. Sie traten damals im Programm "Unsere Leute im Ausland" auf, das den Ensembles der Landsleute aus den USA gewidmet war. Es war rührend zu sehen, wie stark diese Menschen, oft schon in Amerika geboren, mit der tschechischen und mährischen Kultur verbunden sind. Sie teilten Traditionen mit uns, die ihre Vorfahren schon vor mehr als einem Jahrhundert über den Ozean gebracht haben – und die sie bis heute stolz bewahren.

Dank dieses Treffens wussten wir, dass uns in Chicago ein herzlicher Empfang erwartet – und genau so war es auch.

United Moravian Societies

Logo der United Moravian Societies vor dem Eingang zum Club

Gleich von Anfang an spürten wir, dass wir nicht vor einem fremden Publikum spielen, sondern vor Freunden. Sie sangen mit uns, klatschten, lachten – und was uns am meisten rührte, sie wählten Lieder von unseren CDs aus und lernten sie auf Tschechisch zu singen. Das war für uns ein wirklich starker Moment, den wir so schnell nicht vergessen werden.

Tschechen jenseits des Ozeans

Das Treffen mit den Landsleuten war nicht nur bewegend, sondern auch bereichernd. Wir unterhielten uns mit Menschen, die vor Jahrzehnten nach Amerika gegangen und dort geblieben sind. Wir teilten Erinnerungen an ihre Heimatdörfer – ob Ježov, Dubňany, Dolní Bojanovice, Vacenovice, Napajedla, Kunovice und andere Gemeinden – und gemeinsam erinnerten wir uns daran, wie sich diese Orte seit ihrer Abreise verändert haben.

Wir besuchten auch die T. G. Masaryk Tschechische Schule, die das wahre Herz der Gemeinschaft der Landsleute ist. Die Schule hat eine mehr als hundertjährige Geschichte, ihre Wurzeln reichen bis ins Jahr 1921 zurück, als sie als Patronat der tschechischen freidenkerischen Schule gegründet wurde.

Besuch der T. G. Masaryk Schule

Besuch der T. G. Masaryk Schule in Chicago

Sie entstand auf Initiative tschechischer Einwanderer, die die Sprache und Kultur ihrer Heimat auch in der neuen Heimat bewahren wollten. Heute ist die Schule ein modernes Zentrum für Bildung und Kultur, das Sprachkurse für Kinder und Erwachsene, Unterricht in tschechischer Geschichte, Kultur und sogar traditionellem Kochen und Backen anbietet.

Dank der Unterstützung der tschechischen Regierung ist hier ein aus der Tschechischen Republik entsandter Pädagoge tätig, und der Unterricht findet unter Verwendung von Lehrbüchern und Materialien direkt aus Tschechien statt. Die Schule ist so zu einem Ort geworden, an dem sich Generationen treffen – von kleinen Kindern bis zu Senioren – und wo das Tschechische und mährische Traditionen weitergegeben werden. Im Schulgebäude befindet sich heute auch das Museum des tschechoslowakischen Erbes, und neben dem Unterricht finden hier kulturelle Veranstaltungen, Vorträge und Treffen der Landsleute statt. Es war inspirierend zu sehen, wie sehr die Menschen hier ihre Wurzeln pflegen und wie aktiv sie sich an der Erhaltung der tschechischen und mährischen Identität auch jenseits des Ozeans beteiligen.

Eine Stadt, die uns verzauberte

Chicago hat uns völlig überwältigt. Für viele von uns war es der erste Blick auf Wolkenkratzer, belebte Straßen und den ikonischen Michigansee. Untergebracht waren wir in den Räumlichkeiten der Tschechischen Katholischen Mission St. Kyrill und Method, die ihren Sitz in Brookfield hat. Diese Mission ist nicht nur ein geistliches Zentrum der tschechischen Gemeinschaft, sondern auch ein Ort, an dem kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen, Sprachunterricht, Seniorentreffen, Filmvorführungen und traditionelle tschechische Mittagessen nach den Sonntagsmessen stattfinden.

Kirche der Tschechischen Katholischen Mission

Kirche der Tschechischen Katholischen Mission Velehrad in Brookfield

Das Areal der Mission besteht aus der Kirche, dem Pfarrhaus und einem großen Garten mit Spielplatz. In den Gebäuden befinden sich Klassenzimmer, Clubräume, eine Bibliothek, eine Küche, Gesellschaftsräume sowie Einrichtungen für Besucher und Gäste. Das gesamte Areal ist das Ergebnis des enormen Einsatzes und der Aufopferung der örtlichen Gläubigen und Freiwilligen, die Hunderte von Arbeitsstunden und beträchtliche finanzielle Mittel für seine Erneuerung gewidmet haben.

Probe in der Tschechischen Katholischen Mission

Probe in der Tschechischen Katholischen Mission in Brookfield

Dank dieser Fürsorge fühlten wir uns hier wie zu Hause, auch wenn wir tausende Kilometer entfernt waren. Um unsere Kapelle kümmerten sie sich mit unglaublicher Gastfreundschaft und Herzlichkeit, wofür ihnen unser großer Dank gebührt. Die Festivalorganisatoren sorgten während unseres gesamten Aufenthalts für uns – sie nahmen uns mit auf Ausflüge, um Chicago kennenzulernen, zeigten uns Sehenswürdigkeiten, luden uns in einen echten Blues-Club ein, ließen uns lokale Spezialitäten probieren und natürlich fehlte auch das Einkaufen in großen amerikanischen Einkaufszentren nicht.

Spaziergang durch das Zentrum von Chicago

Spaziergang durch das Zentrum von Chicago

Panorama der Wolkenkreitzer von Chicago

Panorama der Wolkenkratzer von Chicago

Dank ihnen genossen wir den Aufenthalt nicht nur auf der Bühne, sondern auch abseits davon. Zu den größten Erlebnissen gehörten der Besuch eines Baseballspiels, eines Museums für historische Fahrzeuge oder der berühmten United Center Halle – der größten NBA-Arena und zweitgrößten in der NHL, die die Heimat der Chicago Bulls und Chicago Blackhawks ist. Genau hier spielte der legendäre Michael Jordan, dessen ikonische Statue heute im angrenzenden Atrium steht, sowie Stan Mikita, eine Eishockeylegende slowakischer Herkunft, dessen Statue den Platz vor der Halle schmückt.

Kapelle bei der Michael Jordan Statue

Bei der Statue von Michael Jordan

Hochbahn in Chicago

Hochbahn in Chicago

Wir besuchten auch den Willis Tower (früher bekannt als Sears Tower), der 442 Meter hoch ist und fast ein Vierteljahrhundert lang das höchste Gebäude der Welt war. Die Aussichtsplattform Skydeck, die höchste in den USA, bot uns einen atemberaubenden Blick auf ganz Chicago und den Michigansee. Für viele von uns war dies einer der stärksten Momente des gesamten Aufenthalts.

Aussicht vom Willis Tower Wolkenkratzer von Chicago

Aussicht vom Willis Tower

Ein unvergessliches Erlebnis war auch eine kurze Fahrt auf dem Chicago River, die uns einen einzigartigen Blick auf die Stadt vom Wasserspiegel aus bot. Die Fahrt auf dem Fluss, gesäumt von ikonischen Wolkenkratzern, ermöglichte es uns, architektonische Juwelen aus einer ganz anderen Perspektive zu bewundern. Auch wenn wir nicht an der gesamten Architekturfahrt teilnahmen, war selbst die kurze Fahrt ein erfrischendes und inspirierendes Erlebnis.

Schifffahrt auf dem Fluss zwischen Wolkenkratzern

Schifffahrt auf dem Fluss zwischen Wolkenkratzern

Wir besuchten auch das Haus aus dem Film Kevin – Allein zu Haus, das wir aus der Kindheit kannten, fuhren im ikonischen Ford Mustang und im futuristischen Tesla Cybertruck. Wir sahen ein Museum mit berühmten amerikanischen Autos, von denen einige Requisiten in bekannten Hollywood-Filmen waren. Und wir besuchten auch den berühmten Buckingham Fountain, bekannt aus dem Vorspann der Serie "Eine schrecklich nette Familie".

Buckingham Fountain

Buckingham Fountain

Auch ein Halt bei einer der größten Attraktionen der Stadt durfte nicht fehlen – dem Cloud Gate, besser bekannt als "Die Bohne". Diese monumentale Skulptur aus rostfreiem Stahl im Millennium Park wiegt 100 Tonnen, ist 10 Meter hoch und 20 Meter lang. Ihre spiegelnde Oberfläche reflektiert das Panorama der Wolkenkratzer und den Himmel und bietet faszinierende Ausblicke von außen und innen. Unter ihrem Bogen kann man hindurchgehen, sich vor dem Regen verstecken oder einfach optische Täuschungen genießen, die an ein Spiegelkabinett erinnern.

Berühmtes Cloud Gate oder 'Die Bohne'

Berühmtes Cloud Gate oder 'Die Bohne'

Und wir dürfen auch den Besuch im bekannten amerikanischen Fastfood-Restaurant Hooters nicht vergessen, wo wir improvisiert den Geburtstag unseres künstlerischen Leiters Marek Rapáč feierten – mit Lachen und einer unvergesslichen Atmosphäre. Diese Momente werden uns für immer in Erinnerung bleiben.

Feier im Hooters

Feier im Hooters

Blues erleben und das direkt im berühmten Club Kingston Mines? Er wurde bereits 1968 gegründet und ist der größte und älteste ununterbrochen betriebene Blues-Club in Chicago.

Blues Club Kingston Mines Chicago

Blues Club Kingston Mines Chicago

Und was wäre das für ein Besuch in den USA, wenn wir nicht auch zu einem dort beliebten Sport gehen würden. Wir gingen zu einem Baseballspiel der Chicago White Sox.

Ištvánci beim Baseball

Ištvánci beim Baseball mit dem späteren Gewinner des Wettbewerbs

Unser Auftritt beim Moravian Day Festival

Der offizielle Auftritt der Kapelle Ištvánci fand während des Samstag- und Sonntagprogramms des Festivals statt. Bei beiden Veranstaltungen spielten wir zum Tanz auf und wechselten uns mit anderen Künstlern ab, die vielfältige Musikgenres in das Programm einbrachten. Am Samstag war es Jarek Filgas, ehemaliges Mitglied der Band Argema und Jana Vox Band, der mit seinem Auftritt Energie und einen rockigen Touch brachte.

Sonntagsmesse

Festliche Sonntagsmesse

Die Jugend von Chicago und Umgebung Erwachsene aus Chicago und Umgebung Kinder aus Chicago und Umgebung Leitung der UMS Podium Auftritt beim Festival Treffen mit dem Botschafter aus CZ

Treffen mit dem Generalkonsul in Chicago - Mgr. Jakub Utěšený

Der Sonntag gehörte dem Hauptprogramm, während dessen wir die einzelnen mährischen Vereine bei ihren Auftritten begleiteten. Es war uns eine Ehre, Teil dieses bunten und herzlichen Programms zu sein. Eine sonntägliche Abwechslung wurde der Wettbewerb im Schnellessen von Kolatschen, der das Publikum amüsierte, und ein gemeinsamer Auftritt von Jarek Filgas mit der Kapelle Ištvánci auf der Bühne. Gemeinsam sangen wir "Břeclavsků kasárňu", das Jarek mit seiner unverwechselbaren samtenen Stimme in eine Rockballade im mährischen Stil verwandelte.

Musik auch in den Wolken

Es zeigte sich, dass dort, wo von Herzen gesungen wird, sich die Menschen immer verstehen – unabhängig von der Sprache.

Die gesamte Reise war für uns ein unvergessliches Erlebnis – sowohl musikalisch als auch menschlich. Wir nehmen die wertvolle Erfahrung mit nach Hause, dass unsere Musik auch jenseits der Grenzen unserer Heimat Menschen ansprechen kann.

Und zum Schluss noch ein kleines Highlight – neben dem Auftritt auf dem Festival spielten wir auch an Bord des Flugzeugs während des Fluges über den Ozean. Wir hatten das Glück, dass uns Austrian Airlines erlaubte, Musikinstrumente direkt mit an Bord zu nehmen, und diese Freundlichkeit erwiderten wir gerne mit einem improvisierten Auftritt. Es erklang auch das bekannteste tsechische Lied "Škoda lásky" (Rosamunde), dessen Darbietung bei der Besatzung und den Passagieren auf großen Anklang stieß. Man kann also sagen, dass wir unsere Blasmusik bis in die Wolken getragen haben – und das passiert nicht jedem.


Unser herzlicher Dank gilt allen Veranstaltern, die an der Organisation dieses außergewöhnlichen Events beteiligt waren. Besonderer Dank gilt Denise Kadlcek, der Präsidentin des Mährischen Vereins, für ihre Einladung, die tolle Organisation und die gesamte Fürsorge, die sie uns während unseres gesamten Aufenthalts widmete. Ein großes Dankeschön geht auch an Rosemary Kozelka ❤️ für die Liebe, mit der sie sich um uns kümmerte – vom morgendlichen Kaffee bis zu den Abendessen, die sie für uns mit unglaublicher Sorgfalt zubereitete.

1. mit Denise Kadlcek

Gemeinsames Foto mit Denise Kadlcek

2. mit Rosemary Kozelka

Gemeinsames Foto mit Rosemary Kozelka

Dank gebührt natürlich allen, die an unserem Aufenthalt beteiligt waren – die Liste der Namen wäre wirklich sehr lang. Jedem von euch gebührt unser aufrichtiger Dank dafür, dass ihr uns ermöglicht habt, etwas so Schönes zu erleben.

DANKE!


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